Bekennende Hundetrainerbraucherin - Teil 2 - Locker an der Leine gehen.




 




Heute möchte ich euch von unserem Training  *Locker an der Leine gehen* erzählen. 

Im Artikel Bekennende Hundetrainerbraucherin habe ich euch von meinen Problemen mit Charly erzählt  und im Teil 1 ging es um das Körbchentraining.

Teil 2 folgt sogleich ...












  
Am Nachmittag hat sich hoher Besuch angemeldet. Die Hundetrainerin. Schluck. Das kam von Charly. Wir sollen heute das *Locker an der Leine gehen* üben. 


Locker an der Leine gehen

Diese Übung wird einfach. Endlich kann ich einmal mit meiner Fellnase punkten. Freudig erwarten wir die Hundetrainerin an der Haustür und machen uns gemeinsam auf den Weg. Wie üblich läuft Charly ein paar Schritte vor uns und scannt den Boden mit der Nase nach Gerüchen ab. Eben wie immer. Darum trifft mich die Frage von der Hundetrainerin wie ein Blitz.  
Läuft Charly immer vorraus? Ähmmmm?!

Irritiert werfe ich ihr einen Blick zu. Dabei stolpere ich beinahe über meinen Hund, der um meine Beine herumwuselt. Ohne Vorwarnung prescht er an uns vorbei und springt ungebremst in die Leine. Meine Schulter knackt vernehmlich. Autsch. Mein Orthopäde reibt sich sicher vor Vorfreude die Hände. Hundehalter sind seine beste Kundschaft. Regelmäßig landen in seiner Praxies kaputte Kniescheiben, weil Hund zur Begrüßung voll gegen die Kniescheibe donnert. Ein weiterer Klassiker sind ausgekugelte Schultern. Dabei ist meine Fellnase ein Leichtgewicht. Wie würde es mir mit einem 30 kg schweren Hund ergehen?
Die Hundetrainerin runzelt die Stirn. Oha. Das bedeutet nichts Gutes.


Nimm den Hund seitlich von dir und lasse ihn nicht so wild herumtanzen. Schau, ich zeige es dir. 


Sie schnappt sich die Leine und platziert Charly an ihre linke Seite. Zügig laufen die beiden die Straße hinunter und ich bleibe verblüfft zurück. Wie selbstverständlich läuft meine Fellnase, mit wippendem Ringelschwanz, an der Seite der Hundetrainerin und blickt immer mal wieder prüfend zu ihr hoch. Ich bin den Tränen nahe. Noch nie ist Charly so harmonisch an der Leine gelaufen und war dabei so aufmerksam, wie in diesen Minuten. Warum klappt das bei mir nicht?
Wieder zurück, drückt mir die Hundetrainerin, mit einem aufmunternden Blick, die Leine in die Hand. Jetzt seid ihr dran. Ich nehme Charly an meine linke Seite. Kopf hoch, Schultern nach hinten und mit forschen Schritten loslaufen. Geht doch. Tja, … wenn da nur nicht meine bockige Fellkugel wäre. Gekonnt stemmt er sich mit den Vorderpfoten in den Asphalt, dass die Krallen nur so quietschen. Mir stellen sich die Haare auf. 


Das ist nicht schlimm, er testet nur aus, wie ernst du es meinst. Mach kehrt und gehe in die entgegengesetzte Richtung.

 
Nur blöd, dass Charly genau vor meinen Füßen sitzt. In einem kleinen Bogen weiche ich ihm aus und heimse mir prompt den ersten Rüffel ein.

Nein. Du weichst ihm auf keinen Fall aus. Wir wollen erreichen, dass dein Hund mehr auf dich achtet. Geh deinen Weg. Du wirst sehen, er wird dir anstandslos folgen. 

Und wenn nicht? Ich kann ihm doch nicht einfach auf die Pfoten steigen? 

Nimmt dein Hund auf dich Rücksicht, wenn er mit vollem Schwung in die Leine läuft?

Hmpf!!! Los geht’s. Drei Schritte nach vorne, dann vier Schritte nach rechts. Einige Schritte nach hinten und dann wieder links. Huch. Mir schwirrt der Kopf. Ich muss mich an einem nahestehenden Baum festhalten. Und da erst bemerke ich, dass die Hundetrainerin Recht hat. Kein einziges Mal bin ich meinem Hund auf die Pfoten getreten. Im Gegenteil. So aufmerksam, wie in diesen Minuten, habe ich ihn noch nie bei unseren Spaziergängen erlebt. Durch diese Erkenntnis gestärkt setzten wir unseren Weg fort. Einige Schritte nach vorne und sobald ich merke, dass meine Fellnase zurückbleibt, wechsle ich ohne Worte die Richtung.
Das geht eine Weile so, bis mir dämmert, dass ich immer seltener die Richtung wechseln muss. Und nach einigen Metern endlich der ersehnte Durchbruch.
Chalry und ich laufen entspannt die Straße hinunter, als meine kleine Fellnase, wie durch ein Wunder die Nase hebt und mich mit aufmerksamen Blick ansieht.

Na Frauchen, in welche Richtung gehen wir jetzt? Egal wohin, ich folge dir. 



Mir wird warm ums Herz. Ich liebe ihn. Ich könnte ihn stundenlang abknutschen. Was so ein einziger Blick in einem Menschenherzen auslösen kann?!

Natürlich mussten wir fleißig üben, aber es wurde von Tag zu Tag besser. 

Und eines darf man nicht vergessen. Eine Hundetrainerin kann sehr gute Tipps geben, aber das eigentliche Training muss der Hundehalter selbst bewerkstelligen. Da kommt man nicht drum rum.

Ich hoffe, mein Artikel hat euch gefallen und ich konnte dem einen oder anderen Hundehalter den Weg zu einem entspannten Spaziergang zeigen ….

Bei Issn´Rüde habe ich den Gastbeitrag *In der Ruhe liegt die Kraft* geschrieben. Darin findet ihr auch noch einmal viele hilfreiche Tipps. 

Sonja und Charly

Kommentare:

  1. Liebe Sonja,

    ja, das mit der immer durchhängenden Leine ist gar nicht so einfach. Eigentlich laufe ich recht gut, aber es gibt Situationen, da will es einfach nicht klappen. Ich denke, das ist so ein Punkt, an dem wir wohl mein Leben lang arbeiten müssen. Das Frauchen muss einfach manchmal schneller werden. Aber vielleicht wird es dann auch so harmonisch wie bei dir und Charly.

    Wuff-Wuff dein Chris

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    1. Hallo Chris, mein Frauchen muss auch immer mal wieder mit mir üben. Wir sind eben waschechte Terrier. *hi hi*
      Und dass unsere Frauchen so langsame Schnecken sind, dafür können wir doch nichts.

      Liebe Grüße
      Charly

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  2. Das hast Du wirklich sooo süß geschrieben, da wird es auch Deinen Lesern warm ums Herz...

    Toll, dass sich der Erfolg so schnell eingestellt hat.

    LG Andrea und Linda

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    1. Der erste Erfolg stellte sich schnell ein, aber wir müssen auch dran bleiben.

      Liebe Grüße
      Sonja

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  3. Ich sehe diesen Blick richtig vor mir und kann mir sehr sehr gut vorstellen, was in Dir vorgegangen ist.
    Klasse, das die Lektionen so tolle und vor allen Dingen schnelle Erfolge bringen.

    Liebe Grüße
    Sonja

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    1. Ja, der Blick war einmalig. Sonst hatte Charly seine Nase immer fest auf den Boden gepresst.

      Liebe Grüße
      Sonja

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  4. Ein toller Bericht, der mich ganz doll an die erste Übungseinheit erinnert. Es ist immer wieder dasselbe. Selbstbewusst und souverän dem Hund gegenübertreten. Und Charly ist ein schlauer Hund. Er versteht so schnell.....

    Ich freue mich schon auf Eure weiteren Trainungseinheiten und Erfolge

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

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    1. Danke für die lieben Worte. Gerne berichte ich euch in nächster Zeit von weiteren Trainigseinheiten.

      Liebe Grüße
      Sonja

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  5. Natürlich verstehen wir Wauzels das schnell *zwinker* Aber woher sollen wir denn wissen was ihr immer von uns wollt *doppelzwinker*
    Nein wirklich ein toller Artikel und ich glaube ihr habt da auch eine tolle Trainerin gefunden. Macht weiter und inner schön Kopf hoch :)

    Schlabbergrüße Bonjo

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    1. Hallo Bonjo, ich verstehe die Zweibeiner auch nicht immer. Aber wenn ich dafür leckere Hundekekse absahne, solls mir Recht sein. *kicher*

      Wir haben eine wunderbare Hundetrainerin gefunden. Da hatten wir wirklich Riesenglück.

      Liebe Grüße
      Sonja und Charly

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  6. Liebe Sonja,
    das hast du toll geschrieben und es liest sich wirklich einfach. Aber es steckt doch ganz viel Übung darin. Bei uns hängt das immer von der "Tagesform" ab *hust* Mal klappt es gaaaanz prima und dann ist wieder mal der Wurm drin. Wir freuen uns das Charly so schnell lernt und ihr gleich einen Erfolg zu verbuchen habt.
    Liebe Grüße vom Emma und Lotte Frauchen

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    1. Bei mir ist auch immer mal wieder der Wurm drin. Dann drehen wir einfach eine extra Karusellrunde, bis ich nicht mehr weiß, wo oben und unten ist. *schluck*

      Charly ist wirklich ein cleveres Kerlchen. Die Trainingseinheiten gelten eher mir. *hmpf*

      Liebe Grüße
      Sonja

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  7. Ja ein entschlossener Gang kann wahre Wunder bewirken :-) habe ich auch schon verblüfft feststellen müssen.
    Leinenführigkeit war bei uns auch sehr kniffelig, weil ich es als Buddy Welpe war total vernachlässigt habe -"max. 6kg am Geschirr" habe ich mir gedacht "das wird sich schon geben" *haha* als ich dann aufs Halsband umsteigen wollte hatte ich den Salat! Husten und Würgen ohne Ende -es tat mir so leid! Immerhin war es ja mein Versäumnis.
    Naja, nach 6 Monaten üben gehts jetzt schon ziemlich gut, nur wenn er wirklich aufgeregt ist zieht er schonmal nach vorn.

    EIn schöner Teil Zwei :-)

    Liebste Grüße!

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    1. Locker an der Leine gehen, funktioniert bei Charly auch mit dem Halsband besser.
      Schön, dass es bei euch so toll funktioniert.

      Liebe Grüße
      Sonja

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  8. Ich fühl mich gerade, als hätte ich das geschrieben.
    Bei Molly ist das Thema "an der Leine gehen" auch immer mal wieder ein kleines bis großes Problem.
    Wir haben von Anfang an ein großes Augenmerk auf das "ohne Leine" unterwegs sein gelegt, dafür dann doch das andere wiederum etwas vernachlässigt. Mal klappt es super, dann gibt es Tage und Momente, vorallem wenn sie Hunde sieht, ist es manchmal doch sehr daneben. Wir haben auch vor uns demnächst Rat einzuholen, solche Beitrage wie von dir machen mir Mut, dass es nichts schlimmes ist auch mal um Hilfe zu bitten!
    Wir werden deine Beiträge sicher mit Spannung weiter verfolgen!

    Wirklich sehr toll geschrieben, da wirds mir auch warm ums Herz!
    Egal was für Macken unsere Kleinen haben, ein kleiner herzerwärmender Blick reicht aus!
    Wir lieben sie so wie sie sind und das ist gut so :)

    Liebste Grüße,
    Rebecca mit Molly

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    1. Als wir mit dem Schleppleinentraining begonnen haben, wollt Charly auf einmal nicht mehr an der kurzen Leine laufen.
      Seitdem wechsle ich immer mal wieder die Leinen. Einmal kurz, dann extra lang. Und immer öfters ohne Leine.

      Schön, dass du dir Hilfe holen willst. Es ist keine Schande, im Gegenteil. Es wäre eine Schande, nichts zu tun und den Hund leiden zu lassen.

      Ich drücke euch die Daumen, dass ihr einen kompetenten Hundetainer/in findet.

      Liebe Grüße
      Sonja

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  9. Charly ist eben auch ein pfiffiges Kerlchen;-)

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  10. Man muss fast weinen beim lesen. Ich freue mich sehr für Dich, dass Du Charly hast und ihr Freunde seid. Es war so ein schöner Post zu lesen.
    glg Susanne

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    1. Danke für die lieben Worte.

      Liebe Grüße
      Sonja

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  11. Das klingt, als hättet ihr da eine wirklich tolle Hundetrainerin gefunden! Und wie ihr das Training in die Tat umsetzt, ist noch toller! Richtig schön zu lesen!
    Liebe Grüße
    Lotta

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    1. Ja, wir haben eine fantastische Hundetrainerin gefunden. Auch wenn sie manchmal echt anstrengend ist.

      Liebe Grüße
      Sonja

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  12. Das find eich ja toll, dass die Richtungswächselmethode bei euch nach nur einer einzigen Sitzung schon Wirkung gezeigt hat und du gleich seltener Umdrehen musstest. An Genki's Leinenführigkeit haben 3 Trainer (mit 3 unterschiedlichen Methoden) geseessen. Die Richtungswächsel Methode zeigte bei uns selbst nach 2 Wochen keine Wirkung (auch die andere Methode hat langfristig nicht geholfen - Die Methode der dritten Trainein - Das Stachelhalsband - haben wir nie umgesetzt), außer dass wir beide immer frustrierter wurden, weil wir uns in 60 Minuten Spaziergang keine Hundert Meter vom Fleck bewegt konnten und somit garnicht mehr voran kamen. Als Krönung pinkelte mir Genki irgendwann auf die Füße. Also, bei uns hat'S einfach nicht geklappt. :(

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    1. Stachelhalsband?! Bei uns in Österreich sind die strengstens Verboten!!! Die Methoten des Trainers scheinen mir äußerst fragwürdig und ich würde schnellstens das Weite suchen.

      Die erste Sitzung lief wirklich gut für uns, aber auch ich musste mit Charly sehr lange üben, bis es endlich geklappt hat. Und auch heute gibt es noch Tage, wo Charly seinen Dickkopf durchsetzten will.

      Hoffentlich findet ihr noch eine Lösung für euer Problem.

      Liebe Grüße
      Sonja

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  13. Toll, dass sich bei euch so schnell der Erfolg eingestellt hat! Bei uns hat sich die Leinenführigkeit durch eine Wechselwirkung verschiedener Methoden durchgesetzt ;-)

    Weiterhin viel Erfolg euch Beiden :-)

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    1. Vielleicht willst du uns in einem Artikel davon berichten?

      Liebe Grüße
      Sonja

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  14. Schön, dass es bei euch so gut geklappt hat. Aber du hast Recht, Leinenführigkeit muss immer wiederholt und geübt werden, bis es denn wirklich sitzt, zumindest war es bei uns so. Immer wieder Richtungswechsel oder wenn zu dolle gezogen wurde, Stehen bleiben, bis sich der Hund beruhigt hat. Das klappte sehr gut.

    Und das Gefühl, welches du da beschrieben hast, kennen wir auch sehr gut aus dem Training. Prima, wenn etwas gemeinsam funktioniert und bei beiden Klick macht.

    Viel Spaß & Erfolg weiterhin beim Trainieren!
    Liebe Grüße,
    Nicole & Moe

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