Überfordern wir unsere Hunde?!




 

Die liebe Nicole hat sich diese Woche Gedanken gemacht, ob sie ihren Moe zu sehr verwöhnt. Kaum waren die ersten Zeilen gelesen, startete bei mir das Gedankenkarussell. Kann man seinen Hund zu sehr verwöhnen? Und wenn ja, mit was genau? Mit zu viel Spielzeug, zu viel Futter oder gar zu viele Streicheleinheiten? Es lohnt sich bei den Beiden vorbeizuschauen und ihre Gedanken zu diesem Thema zu lesen.






Ich gehe jetzt noch einen Schritt weiter und werfe die Frage in den Raum *Überfordern wir nicht eher unsere Hunde?*. Wenn man die Hunde vor 20 Jahren mit den Hunden von heute vergleicht, fällt einem schnell ins Auge, dass sich im Zusammenleben mit ihnen einiges geändert hat. Kaum ein Hund, geschweige denn ein Hofhund, durfte damals 24 Stunden am Tag ins Haus. Unsere Großeltern würden bei dem bloßen Gedanken daran, ihren Hund im gemeinsamen Bett schlafen zu lassen, entsetzt den Kopf schütteln.


Neiiiiiiiiin, ...... Charly!!!

Spielzeugflut
Meine Oma hatte ihr Leben lang Hunde an ihrer Seite, aber ich kann mich nicht ein einziges Mal daran erinnern, dass sie spezielles Hundespielzeug gekauft hätte. Gespielt wurde mit dem, was gerade da war. Ein alter ausrangierter Ball, ein Stück Seil oder ein alter Pantoffel. Das war es. Ihre Hunde machten aber immer einen glücklichen und zufriedenen Eindruck. Sie konnten auf dem großen Grundstück nach Lust und Laune herumtoben oder auch mal ungestört nach einer Maus buddeln, ohne dass dabei gleich die Welt unterging. Versteht mich nicht falsch, es ist sehr wichtig mit unseren Hunden zu spielen oder ein paar Kunststücke zu trainieren. Nur eben nicht ständig.


Meint Frauchen das wirklich ernst???

Hatten es die Hunde früher leichter?
Leider wird heute sehr viel von unseren Hunden verlangt. Brav Beifuß gehen, sofort angelaufen kommen, wenn Frauchen ruft. Entgegenkommenden Hunden die kalte Schulter zeigen, obwohl der Hund vor Neugierde schier platzt. Auf der Decke liegen bleiben, wenn es an der Haustür klingelt. So lange mit dem Fressen warten, bis Frauchen es ausdrücklich erlaubt. Der Hund von meiner Oma stürzte sich mit Hurra auf sein Fressen und dass dabei der halbe Inhalt auf dem Boden landete, schien niemanden zu stören. Er war aber so höflich, nach seinem Fressgelage den Boden rund um die Schüssel gründlich sauber zu schlecken. Jaaaa, spätestens jetzt steigt der Blutdruck beim Lesen.


Bhoa, ... ist die heute wieder streng!!!


Meine Oma nahm es mit Gelassenheit. Sie legte den Futterplatzt einfach großzügig mit Zeitungspapier aus. Voila, Problem beseitigt. Heute kaum mehr vorstellbar. Da muss alles glänzen und strahlen und perfekt zur Einrichtung passen. Nein, ich nehme mich da nicht aus. Auch in meinem Haus herrscht Ordnung. Trotzdem beschleicht mich manchmal das Gefühl, dass es meine Oma um einiges leichter hatte.


Putzfimmel?
Wenn ich daran denke, wie oft ich die reichlich vorhandenen Körbchen, Decken und Polster in die Waschmaschine stecke und wie viel Zeit ich mit dem Hausputz verbringe, kommt in mir die Frage hoch *muss das alles sein?* Erst gestern hängte ich die zahlreichen Stofftiere und Zerrspiele zum Trocknen in die warme Frühlingsluft und mir blieb vor Schreck beinahe die Luft weg. Braucht mein Hund wirklich so viele Spielsachen? Definitiv nein. Wisst ihr, mit was meine Fellkugel am liebsten spielt? Mit einem ausrangierten Socken von Herrchen. Dieser hat keine 2 Euro gekostet.


Darf ich jetzt endlich?!


Was lernen wir daraus? 
Unseren Hunden ist es schnuppe, mit was sie spielen, viel wichtiger ist, dass sie einfach mal Hund sein dürfen. Ja, auch mit dreckigen Pfoten und einer kleinen Maus zwischen den Zähnen. *würg* Und manchmal brauchen auch unsere Fellnasen eine kleine Auszeit von ihren stressigen Hundealltag. Kein Hundesport, kein hundepädagogisch wertvolles Spiel, sondern einfach nur faul im Körbchen liegen!!!



Was will ich damit sagen?
Hunde müssen nicht rund um die Uhr beschäftigt werden. Für ihre Gesundheit ist es sogar äußerst wichtig, genug Erholungspausen einzulegen. Das gilt auch für uns Zweibeiner. Hundespielzeug wird es in unserem Haus immer geben, aber ich werde darauf achten, dass es sinnvoll einsetzt wird. Denn manch eine Fellnase hat den Tagesplan eines Managers, in dem genauestens geplant wird, wann, wo und mit wem gespielt wird. *gruselig*



Was denkt ihr zu diesem Thema? Überfordern wir unsere Hunde?



Sonja und Charly




Kommentare:

  1. ja. viele hunde werden überfordert. dogdancing, agility, mantrailing. wer nur mal so mit seinem hund durch den wald schlendert, wird schon schief angesehen. das ist wie bei den helikoptereltern. fester zeitplan. hund muss funktionieren. und bei vielen ehrgeizlingen kommt dann auch gleich noch die frage "ist der denn rasserein". momoentan bin ich durch eine hand op etwas gehandicapt und kann mich nicht so mit meinen hunden beschäftigen. ABER ich sehe: es geht auch so. sie schlafen viel, sie genießen die spaziergänge mit toben und ab und an mal einem leckerchen suchen. mehr nicht. und nach 2 stunden auf dem feld sind sie ausgepowert. und auch ich sehe vieles sehr gelassen, vielleicht weil ich im moment auch nicht anders kann. dann bleiben die hundedecken eben mal einen tag länger liegen, dann wird eben mal nicht geputzt (ist einhändig eben nicht so einfach). die hunde verzeihen es und sind einfach froh, dass ich bei ihnen bin.

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    1. Toll, dass es bei euch so entspannt zugeht. Ich hoffe, dass es deinem Arm bald wieder besser geht.

      Liebe Grüße
      Sonja

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  2. Liebe Sonja,

    ich kann Dir nur gratulieren zu diesem Artikel - er spricht mir aus der Seele :) Es ist schon eine ganze Weile her, da habe ich etwas Ähnliches geschrieben (http://issnruede.de/bin-ich-ein-schlechter-hundehalter/) ... denn damals wurde mir auf einem Spaziergang unterstellt, weil ich mit meinen Hunden keine Hundeschule besuche hätte ich kein Interesse an ihnen und sollte eigentlich keine Hunde haben!
    Ich behaupte ja oft, vor 20 Jahren war Hundehaltung einfacher - weil man sich zwar Gedanken gemacht hat, aber nicht zu viele. Wenn ich alleine heute die Auswahl an Futter, Leckerchen und Hundespielzeug sehe, dann wird mir manchmal ganz anders. Natürlich gibt es auch viele positive Veränderungen - auch in diesen Bereichen. Aber es wird auch oft übertrieben!

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Damon und Cara

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  3. Ich denke auch, dass viele Hunde überfordert werden. Auch wenn wir Lilly in gewissen Zügen sicherlich vermenschlichen (darf mit ins Bett, auf's Sofa), versuchen wir doch sie Hund sein zu lassen. Sie darf buddeln, sie darf schnüffeln und ihre Decken/ Spielsachen werden auch nicht alle Nase lang gewaschen. Wer sich einen Hund ins Haus holt, holt sich auch den dazugehörigen Dreck ins Haus - das sollte jedem klar sein. Natürlich wird bei uns auch geputzt *haha* aber pingelig sind wir nicht ;-) Ich finde auch, dass es sich so leichter leben lässt ;-) Da Lilly ein absoluter Spielzeug-Hund ist, hat sie auch eine ganze Menge. Würde ich ihr den Socken vom Herrchen hinhalten, würde sie wohl blöd aus der Wäsche schauen und damit nur spielen, wenn ich Nüsse reinfülle ;-) Aber natürlich kauft man die ganzen Halsbänder, Leinen und Plüschies ja auch für sich ;-) Fest steht, bei uns dreht sich nach alles um den Hund. Lilly muss sich uns und unserem Leben anpassen und das funktioniert mittlerweile auch sehr gut :-)

    Liebste Grüße

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  4. Leider weiss ich das nicht, weil ich keinen Hund mein eigen nennen kann und ich gar keinen Erfahrungsschatz aufweise.
    Aber ich lese immer so gerne hier mit, alles ist so mit Herz geschrieben und die Bilder sind so süüüss.
    glg Susanne

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  5. Hallo liebe Sonja,

    danke erst einmal für die Erwähnung! :-)

    Ich schließe mich Ricarda an, wer sich einen Hund ins Haus holt, holt sich auch den Dreck dazu! Bei uns wird es nie klinisch rein sein. Moe ist eben ein Langhaar-Hund und was er allein für Fell verliert... Da könnte ich zwei Mal am Tag saugen. Oder wenn sich so ein Hund nass im Flur schüttelt- Dreck überall. Moe ist auch nicht gerade der feine Herr und frisst ordentlich, im Gegenteil, er saut richtig rum. Mache ich mir deswegen Gedanken und putze ständig hinterher? Nein.
    Moe hat auch eine ganze Menge Spielzeug. Meist hat er ein oder zwei Dinge, die er gerade sehr gerne mag und die liegen dann auch in der Wohnung herum. Der Rest ist unter Verschluss und kommt nur dann und wann heraus, um das Interesse zu halten. Aber dann spielen wir auch gemeinsam!

    Ich habe es leider auch schon erlebt, dass wir gefragt wurden, was wir denn mit unserem Hund machen, um ihn auszulasten. Da steckt ja schließlich ein Deutsch-Drahthaar drin, die wurden zum Jagen gezüchtet. Wir sind auf völliges Unverständnis gestoßen, als ich erzählte, das wir in keinem Verein sind, kein Mantrailing machen oder Sonstiges. Ist Moe ausgelastet? Ich behaupte ja! Vielleicht nicht jeden Tag. Aber: Moe bekommt sowohl geistige Auslastung als auch körperliche. Und Moe ist immer mit Freude dabei.

    Vielleicht bin ich deswegen ein schlechter Hundehalter. Moe hat Privilegien, er hat aber auch ganz klare Regeln. Und: er darf Hund sein und sich in Matsch und Algen wälzen. Damit kommen wir sehr gut klar.

    Danke für diesen tollen Beitrag!

    Liebe Grüße,
    Nicole

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  6. Liebe Sonja,

    ein Hund ist und bleibt ein Hund. Auch ich darf gerne mit aufs Sofa, wenngleich Frauchen dann regelmäßig kleine Stöckchen dort vorfindet, die unsichtbar im Fell hingen und ich mir dann raus gepuhlt habe. Aber ich darf auch Schlammbaden und toben. Spielsachen habe ich nach Frauchens Meinung auch zu viele. Wir haben aber die Lösung gefunden, dass ich immer ein Spielzeug bekomme, mit dem wird gespielt, dann wird es weggeräumt. Sonst verliere ich schnell das Interesse daran. Da ich während Frauchens Arbeit recht faul herumliege, denke ich, ich habe genügend Ruhepausen, genieße es dann aber draußen auch, ordentlich rumzutoben oder Tricks zu lernen, wenn Frauchen nicht soooo lange vor die Tür will.

    Wuff-Wuff dein Chris

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  7. Oh ja, einfach Hund sein dürfen und nicht wie eine geölte Maschine funktionieren oder als Kinderersatz herhalten müssen! Leider beobachtet man immer mal wieder, dass das so mancher Zweibeiner aus dem Blickfeld verliert...
    Ich bin für ganz viele faule Pausen im Körbchen! ;-)
    Liebe Grüße
    Lotta

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  8. Ich kann mich meinen Vorschreiberinnen zum Teil nur anschließen - Tiere im Haus (oder in unserem Fall in der Wohnung) bringen Dreck mit. Das ist einfach so - genauso wie Tierarztbesuche Geld kosten und Futter eben auch ;) Überfordert werden Hunde meiner Meinung nach schon alleine mit dem Zusammenleben mit uns - wenn ich an den kleinen Wolf in der Großstadt denke, dann ist das auch ganz klar eine. Dafür schauen wir aber, dass sein Leben sonst so ruhig und nach seinen Bedürfnissen, wie es eben möglich ist - einrichten.

    Der kleine Wolf spielt auch am liebsten mit einem alten Socken - und das ist eigentlich auch so ziemlich das einzige Spielzeug was es hier gibt. Eine Decke auf der Couch und sonst gibt es auch keine weiteren Plätze extra für ihn ;)

    Gerade die Ansichten deiner Großmutter in deinem Artikel finde ich sehr interessant - sowas sollte man sich immer wiedermal ins Gedächtnis rufen.

    Alles Liebe nima,
    die noch mit keinem Hund in der Hundeschule war ;)

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  9. Liebe Sonja,
    das ist ein sehr interessanter Beitrag. Ich kann deine Gedanken sehr gut nachvollziehen. In der Hundehaltung hat sich viel verändert. Auch meine Oma hatte einen Hund und der hatte ein ganz anderes Leben als es jetzt unsere Hunde führen. Obwohl damals nie die Rede war von artgerechter Fütterung (er bekam die Reste vom Mittagessen) und geistiger Auslastung usw. wurde dieser Hund 15 Jahre alt. Ein stolzes Alter.
    Emma und Lotte dürfen auch auf Bett und Couch und sie haben auch Spielzeug. Emma´s liebstes Spielzeug sind die zusammen gerollten Socken vom Herrchen. Lotte dagegen powert sich draußen aus und braucht drinnen dann ihre Ruhezeiten. Aber das hängt mit ihrer Krankheit zusammen und das ist wieder ein anderes Thema.
    Liebe Grüße vom Emma und Lotte Frauchen

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  10. Wuff Charly
    "Denn manch eine Fellnase hat den Tagesplan eines Managers, in dem genauestens geplant wird, wann, wo und mit wem gespielt wird. *gruselig*"
    Muss ja schrecklich sein bei Menschen zu wohnen die einen Reinigungstick haben und so gar nichts mit unserer Spontanität anzufangen wissen.
    Natürlich lebe ich nicht mehr wie die Hunde aus Frauchens Kindheit, die waren nämlich stark Berufstätig (sie mussten Haus und Hof bewachen das Vieh treiben und die Kinder beaufsichtigen - war ev. auch ein strenger Terminplan).
    Ich verbringe den Tag eher mit meinen Hobbys, dazu gehören auch Spielis (gestehe - ich habe auch ein Kuscheltier), viel Bummeln und Schnuffeln und faul herumlümmeln.
    Wochenendnasenstups von Ayka

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  11. Also ganz ehrlich! Zu viele Streicheleinheiten kann es gar nicht geben. Zu viele Leckerchen vielleicht!
    Aber das ist ja Sache des jeweiligen Halters. Man muss sich darüber bewußt sein - und zwar BEVOR man einen Hund ins Haus holt, das dies eine Umstellung des eigenen Lebens bedeutet. Und zwar für eine lange Zeit!
    Auch das ein Tier kosten verursacht und das nicht nur bei Futter und Tierarztkosten, es kommen ja noch die Kosten der Steuer dazu und natürlich die Kosten für Spielzeug, Leine, Geschirr usw. Da kommen über die Jahre schon einige Tausend Euros zusammen.
    Trotzdem kann ich nur sagen: Eine Fellnase bereichert das Leben ungemein und ich selbst möchte auf sie nicht mehr verzichten! Auch wenn unser Haus und das Auto nicht mehr so geleckt sauber sind wie vor dem Hundezuwachs.
    Liebe Grüsse

    Manu
    P.S.: ich Merlin habe hier ja auch noch meinen Senf dazuzugeben! Es gibt doch nix schöneres als mit Frauchen oder Herrchen zu kuscheln - klar auf dem Sofa, wo den sonst???? Das Bett ist auch ein feines Plätzchen! Das das meine Leute so spontan sind, dass haben sie mir zu verdanken!
    In diesem Sinne wünsche ich euch ein schönes Wochenende
    Eurer Merlin

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  12. Ohh ja mit den Socken spiele ich auch super gerne ;)
    Der Post ist wirklich supi geschrieben! Ich werde bestimmt nicht überfordert... viele vergessen, dass wir Wauzels gan viel Zeit zum Schlummern brauchen :) Die Gedanken von deiner Oma finde ich super und viele sollten sich diese mal zu Herzen nehmen!

    Schlabbergrüße Bonjo

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