Wenn das Vertrauen flöten geht!





Charly ist ein fröhlicher und quirliger Hund. Sein Wesen ist sanft, liebevoll, dickköpfig und manchmal äußerst rüpelhaft. Vor ein paar Monaten habe ich euch von unseren Problemen mit Charly erzählt.  Zum Glück kann ich heute sagen, dass sich vieles zum Guten gewendet hat. Wenn ihr noch einmal die Problemliste lesen wollt, dann schaut bei *Ich bin bekennende Hundetrainerbraucherin* vorbei.

Wie alles begann ....

 

Leider bereitet mir ein Ereignis Kopfschmerzen und lässt mich in der Nacht stundenlang wachliegen.  Charly verspeist Besucher zum Frühstück. Ja, es darf bei dieser Vorstellung herzlich gelacht werden. Aber nur kurz, denn zum Lachen ist mir zur Zeit überhaupt nicht zumute. Jedesmal, wenn es an der Haustür klingelt, fängt mein Herz zu rasen an und es bilden sich Schweißperlen auf meiner Stirn. Mein erster Gedanke ist, kann sich der Besuch nicht vorher anmelden?


Hektisch suche ich nach dem Maulkorb und rufe Charly zu mir. Vergessen sind der Tipp von meiner Hundetrainerin in solch einer Situation ruhig zu bleiben. Wie denn auch, wenn pures Adrenalin durch meine Adern fließt und meine Beine vor Angst schlottern. Ihr denkt euch jetzt sicherlich, was hat die nur? Warum diese Hektik? Weil mein Hund in so einer Situation verdammt schwer einzuschätzen ist.



 

Ein schreckliches Ereignis, das alles veränderte

 

Meine Töchter hatten am Nachmittag eine Freundin eingeladen. Charly war damals ein Jahr alt. Er hatte bis dahin nie Probleme mit fremden Menschen und um so mehr war ich über seine Attacke geschockt. Wie aus dem nichts schnappte er nach dem Mädchen. Sie wollte ihn begrüßen und beugte sich zu ihm nach unten und er biss zu. Ohne Vorwarnung. Kein Knurren, kein Zähnefletschen oder den Körper steif machen. Nichts. Bis heute weiß ich  nicht, was den Biss ausgelöst hat. Zum Glück hinterließ der Biss nur einen kleinen blauen Fleck. Und das Mädchen war schnell wieder wohlauf.

Aber der Schreck sitzt tief. Seitdem bekommt meine Fellnase bei Besuch immer einen Maulkorb verpasst. So ist es mit der Hundetrainerin abgesprochen. Charly soll lernen, dass Besucher nichts Schlimmes im Schilde führen. Das Training zeigte schnell Erfolge. Meine Freundinnen unterstützten uns Tatkräftig und kamen so oft wie möglich auf eine Tasse Kaffee vorbei. Dabei hatte Charly Gelegenheit, sie in Ruhe kennenzulernen. Ohne Druck und ich mit der Gewissheit, dass mit dem Maulkorb nichts passieren kann. Nach wenigen Wochen akzeptierte er meine Freundinnen und ließ sich von ihnen ausgiebig den Bauch kraulen. Derzeitiger Trainingsstand ist, dass er den Maulkorb nur mehr bei fremden Besuchern benötigt.

Wenn sich das Vertrauen einfach nicht mehr einstellen will

 

Charly hat schnell begriffen, dass Besucher beißen in unserem Haus nicht geduldet wird. Es gab seitdem keinen einzigen Vorfall mehr. Das Problem liegt eindeutig bei mir. Sobald es an der Tür läutet, tauchen vor meinem Auge Schreckensszenarien auf, die die besten Horrorfilme in den Schatten stellen. Das schreckliche Ereignis will einfach nicht aus meinem Kopf verschwinden. Und leider hilft mir das beste Hundetraining nichts, wenn ich meiner Fellnase nicht mehr vertrauen kann. Ein Teufelskreis.

Ich kann mich nicht überwinden, den verdammten Maulkorb in die Ecke zu pfeffern und Charly seinen Weg gehen zu lassen. Ich weiß, dass er es kann ......

Kämpft ihr auch manchmal mit euren Gefühlen?

Wuffgrüße
Sonja und Charly

Kommentare:

  1. Liebe Sonja, ich kann Dich nur zu gut verstehen, ich war auch schon mal in solchen Denkfallen gefangen. Besonders, wenn man nicht genau weiß, wie es überhaupt dazu kommen konnte, denn dieser fehlende Baustein verhindert ja, dass man es verhindern kann. Ich kann Dir nur raten, den Maulkorb solange (auf Charly) draufzulassen, wie Du ihn benötigst. ER hat ja offensichtlich keine Probleme mit dem Teil, gehört es doch wie Halsband und Leine zu seinem Leben...

    Der Tag, an dem Du solche Situationen wieder souverän händeln kannst, der wird auch kommen. Auch das weiß ich aus Erfahrung und weiß Gott, ich war mir da auch nicht sicher.

    LG Andrea mit Linda, die sicher auch nicht immer berechenbar ist...

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    1. Liebe Andrea, danke für deine aufmunternden Worte. Es beruhigt mich sehr, dass du das mit der Denkfalle auch erlebt hast. Ich hoffe, dass ich die Unsicherheit bald hinter mir lassen kann.

      Liebe Grüße
      Sonja

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  2. Ohje, Charly, was machst du für Sachen? Besucher gehören angebellt, aber doch bitte aus sicherer Entfernung. Ich kann dein Frauchen da ja schon fast ein wenig verstehen, meine wäre wahrscheinlich genauso drauf. Aber ich hoffe, irgendwann vertraut ihr euch wieder.

    Wuff-Wuff dein Chris

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    1. Das hoffen wir auch!!! Mir wäre es auch lieber, wenn er laut bellen würde.

      Liebe Grüße
      Sonja

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  3. Ständig! Ich kenne das zu gut, wenn man sich selbst am meisten im Weg steht. Wenn wir mit unserem Hundetrainer auf Gruppenspaziergängen waren ging mein Puls immer auf 180. Sobald ein Hund sich Genki näherte oder auch nur an ihm vorbeirannte blieb mir fast das Herz stehen. Klar weiss ich, dass mein Hund dabei meine ganze Anspannung merkt und sich vermutlich erst recht denkt, dass da irgendwas nicht stimmt. Aber da kann mein Hundetrainer noch so oft sagen "Entspann dich! Vergiss nicht zu atmen". - Ich kann es einfach nicht. Ich habe in diesen Situationen einfach Angst, weil ich, wie du, schlechte Erfahrungen gemacht habe und ich bekomme es auch einfach nicht raus. Ich wünschte dir, ich könnte dir da einen Tipp geben, aber ich kämpfe mit dem selben Problem, wünsche dir natürlich aber, dass du es schnellstmöglich überwinden kannst.

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    1. Ja, die Worte *Entspann dich, kenne ich auch*. Wenn die Hundetrainerin neben mir steht, klappt es ganz gut. Die Angst zeigt sich erst, wenn ich mit Charly alleine bin.

      Ich drücke dir die Daumen, dass es bei dir und Genki bald besser wird.

      Liebe Grüße
      Sonja

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  4. Hallo Charly,
    so ein Maulkorbdings habe ich (Emma) das letzte Mal bei der Tierärztin umgebunden bekommen weil ich sie gaaaanz böse angeknurrt hatte. Da war ich vor Schrck zur Salzsäule erstarrt und die Tierärztin konnte in aller Ruhe die Fäden ziehen. Aber unser Frauchen schwitzt schon wenn wir wieder mal zur Tierärztin müssen. Da hat sie sich nämlich ganz schön erschrocken. Ich glaube das vergisst sie auch nicht so schnell. Da geht es ihr wie deinem Frauchen.
    Liebes wauzi von Emma

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  5. Da kann ich Deine Panik verstehen liebe Sonja.
    Mein Mann sagt " immer ruhig bleiben " und damit hat er Recht.
    Aber es gelingt mir auch nicht immer. Sina beißt zwr nicht, aber wenn es klingelt,
    gibt sie immer ein " Bell Konzert "
    Liebe Grüße
    Käthe

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  6. Oooh ja, wie gut kann ich das verstehen. Natürlich weiß man eigentlich, dass man sich selber blockiert. Aber so lange du den Maulkorb brauchst, so lange würde ich ihn auch nutzen. Du machst dir ja immerhin Gedanken um das Thema und vielleicht kommt irgendwann der Tag, an dem du entspannt sagen kannst: Charly hat heute einen guten Tag - wir versuchen es.

    Ich drücke dir die Daumen dafür! Ich stehe gerade vor der Entscheidung, Moe einen Maulkorb zu kaufen. Einfach weil ich ihm nicht vertrauen kann, wenn wir anderen Hunden begegnen.

    Liebe Grüße
    Nicole

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  7. Ich finde, Du machst das prima. Und wenn Du Dich so sicher fühlst, dann hilfst Du Charly auch. Und Du trägst auch die Verantwortung, dass nichts passiert.

    Socke hat auch schon mal gezwickt und kommt daher bei der Begrüßung von fremden Menschen in das GästeWC mit angelehnten Tür. Sie bekommt mit, dass wir enspannt sind und nichts Schlimmes passiert. Dann holen wir Socke dazu....

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

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  8. Ach, Zweibeiner.... dass die ständig über so komplizierte Sachen nachdenken müssen. Würden die es so machen wie wir und sich mehr mit Knochen, Buddeln und Schlafen beschäftigen, dann hätten sie ein viel leichteres Leben!
    Wenn sich dein Frauchen mit dem Maulkorb sicherer fühlt und es dir nichts ausmacht, Charly, dann klingt das für mich doch nach einer sehr guten Lösung, bis ihr euch alle ganz von alleine wieder mehr entspannen könnt.
    Liebe Grüße
    Lotta

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  9. Liebe Sonja,
    ich kann mir gut vorstellen, dass Dir dieser Anblick von dem Maulkorb weh tut.
    Aber vielleicht ist es für Charly gar nicht so schlimm? Manchmal müssen unsere geliebten Vierbeiner eben einfach wissen, dass nicht alles durchgehen kann.
    Dir wünsche ich gute und starke Nerven, es wird bestimmt bald wieder besser.
    Liebe Grüße schicken Euch beiden ANi und Flöckchen

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  10. Keen cool,es nützt dir nix das Ding weg zu lassen und Charlotte kompensiert dann deine Unsicherheit.Du wirst schon merken, wenn du ihn weglassen kannst. ;-)

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  11. Schwierig, schwierig, schwierig. Ich würde den Maulkorb auch auf jedenfall noch weiter verwenden, so lange du selbst noch unsicher bist. Denn sonst ist das ganze Erfolgserlebnis ganz schnell wieder dahin - und darum wäre es wirklich schade, jetzt wo es sich schon ein wenig eingestellt hat.

    Meiner Meinung nach, soll ein Hund auch nicht keifend zur Tür laufen, wenn Besuch kommt (egal ob angemeldet oder nicht)...nur weil ich es hier ein paar Mal gelesen habe. Der kleine Wolf darf das nicht - schließlich soll der Besuch in Ruhe bei der Tür reinkommen können, sich die Schuhe ausziehen dürfen und zuerst uns begrüßen...und dann erst den kleinen Wolf...

    Nichts destotrotz verstehe ich deine Angst sehr gut und auch das ärgern darüber - Tipp kann ich dir leider keinen geben - außer vielleicht noch mehr mit der Hundetrainerin drüber sprechen!

    Alles Liebe und kraul Charly mal von mir ♥ Ihr macht das schon!
    nima

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