Einsam sind sie geworden, unsere Spaziergänge


Lieber Charly,

es ist ruhig geworden auf unseren Spaziergängen. Kein gezetere und gepöbele an der Leine, wenn wir anderen Fußgängern begegnen. Stattdessen spazierst du brav neben mir her und wirfst immer mal wieder einen fragenden Blick zu mir hoch. Frauchen, welchen Weg gehen wir? 

Geduldig wartest du an der Gehsteigkante, bis ich das Kommando zum weitergehen gebe. Lässt dich zuverlässig ins Platz legen, wenn ich mit einer Nachbarin ein längeres Gespräch führe. Nur manchmal entfährt dir dabei ein kleiner Seufzer und verdrehst genervt die Augen. Aber du bleibst ruhig. Mein Frauchen wird es schon wissen.

 
Am Morgen nach dem Aufwachen, bleibst du ruhig auf deinem Kissen liegen, auch wenn dein Körper vor Vorfreude zittert. Geduldig wartest du auf dein Futter, obwohl dein Magen laut grummelt. Du vertraust mir vollkommen. Wenn ich nach Hause komme, begrüßt du mich stürmisch, auch wenn ich nur 5 Minuten weg war. Dafür liebe ich dich von ganzem Herzen.

Dein Tag besteht aus grenzenlosem Vertrauen zu mir. 

Ich lasse dich auf einer Wiese frei herumflitzen und vertraue darauf, dass du kommst, wenn ich dich rufe. Wenn wir Kindern begegnen, vertraue ich darauf .... stopp. Genau hier hört mein Vertrauen zu dir auf. Ich weiß nicht, wann es abhanden gekommen ist. Als Junghund bist du im Garten mit den Nachbarskindern herumgetollt und ich habe dir grenzenlos vertraut.



Euch beim Spielen zu zusehen, hat mein Herz jedesmal zum Lachen gebracht. Du warst so vorsichtig mit ihnen und sie mit dir. Ich höre noch heute das vergnügte quietschen, wenn du ihnen tausend Küsschen aufs Gesicht gedrückt hast. Wann ist das Vertrauen verloren gegangen? Es begann schleichend. Am Anfang hast du nur aufgepasst, dass kein Fremder das Haus betritt. Seitdem trägst du bei unerwarteten Besuch einen Maulkorb. Wenn dir heute jemand zu nahe kommt, knurrst du laut und legst den Rückwärtsgang ein. Wenn Passanten auf der Straße rufen, ach ist der süß, dann antworte ich, neee, ... der beißt. So gerne möchte ich dich wieder mit den Kindern spielen sehen, aber ich vertraue dir nicht.

Wird das Vertrauen jemals wiedekehren? 

 

Normalerweise bist du ein pflegeleichter und umgänglicher Hund. Aber eben nur bei Personen, die du kennst. Gut möglich, dass du meine Angst spürst und deswegen so unfreundlich auf Fremde reagierst. Aber wie soll ich meine Angst überwinden, wenn du keinen Fremden in deine Nähe lässt? Nur ein Lebensmüder würde dich hinter den Ohren kraulen und dir so die Angst nehmen. Oder einer der seine Hand nicht mehr benötigt. *lach und wein*

Also fällt das gezielte Training leider flach. Außer es meldet sich jemand freiwillig?!

Dein Frauchen





Kommentare:

  1. Ohje Charly, da ist aber was falsch gelaufen. Hund kann doch keine Menschen angreifen. Mein Frauchen hat gleich gebrüllt, dass sie sich für euer Training melden würde. Aber dann muss sich jemand um mich kümmern, ich lass Frauchen nämlich niemand anderen streicheln. Allerdings bin ich bei Fremden vorsichtig, lege aber den Rückwärtsgang ein, wenn sie mir nicht geheuer sind. Ein Teufelskreis. Ich hoffe aber trotzdem, dass ihr noch einen Trainingspartner findet, so ein trauriges Frauchen ohne Vertrauen ist doch irgendwie auch nicht das Wahre.

    Wuff-Wuff dein Chris

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    1. Dein Frauchen ist aber lieb, sich sofort fürs Training zu melden. Schade, dass wir so weit auseinander wohnen. Es beruhigt meine Zweibeinerin aber ein wenig, dass du auch machmal den Rückwärtsgang einlegst.

      Wuffgrüße
      Charly

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  2. Ihr habt schon so viel zusammen geschafft, ich bin mir sicher, das gelingt Euch auch. Vielleicht kann man das in einer Hundeschule lernen? Ich drück Euch auf jedenfall ganz fest die Daumen, dass Charly das auch noch lernt.
    glg zu Euch
    Susanne

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    1. Danke für die lieben Worte. Mit dem Maulkorb klappt das Training super - ich kann mich nur nicht überwinden, ihn abzunehmen. Und ich würde es mir nie verzeihen, wenn dabei jemand zu schaden kommen würde.

      Ein Teufelskreis ....

      Liebe Grüße
      Sonja und Charly

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  3. So ein Vertrauensverlust ist wirklich schlimm ... und ich hoffe, ihr findet einen für euch gangbaren Weg und auch das Vertrauen wieder. Auch wir würden beim Training sofort helfen, wenn wir in eurer Nähe wären - aber ich denke, mit dem Maulkorb als Sicherung sollte es doch möglich sein, auch jemand anderes zu finden. Und irgendwann, dann kann vielleicht auch der Maulkorb wieder weg ... und das Vertrauen schleicht zurück!

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Damon und Cara

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    1. Mit Maulkorb ist es kein Problem. Nur eben ohne ....
      Danke für dein Angebot mir beim Training zu helfen. Das ist soooo lieb von dir.

      Liebe Grüße
      Sonja

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  4. Liebe Sonja !
    Wir können uns Charly mit Maulkorb gar nicht vorstellen.
    Ich könnte mir vorstellen, das Charly sich als " Rudelführer " fühlt und damit auch Dein Beschützer ist und sich deshalb so benimmt. Könnte das sein ? Damit wäre das kleine Kerlchen auf Dauer überfordert.
    Als Sina zu uns kam, hatte sie diesen Tick auch, aber den haben wir ihr abtrainiert.
    Charly hat schon so viel gelernt, das lernt er sicher auch noch.
    Liebe Grüße
    Käthe

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  5. Selbstverständlich würden wir auch eine Hand opfern, wir haben ja zwei... oder mit einem Kettenhandschuh zur Verfügung stehen... ;)

    Ich glaube, Du musst den Maulkorb als Geschenk des Himmels betrachten, nicht als Manko, für das man sich schämen muss. Kein Mensch schämt sich nämlich für Halsband und Leine, was ja auch nur Hilfsmittel sind. Lass ihn doch drauf und dann gehst Du ganz entspannt an die Situationen dran, die Euch zu schaffen machen. Das hat nämlich dann den Vorteil, dass man mal entspannt schauen kann, was überhaupt so vor sich geht, ohne Angst zu haben, das was passieren könnte. Einen Vertrauensbruch kann man leider nicht so einfach wegmachen, das sitzt! Aber wenn man ein wenig "Kontrolle" durch Benutzung eines Maulkorbs wiedererlangen kann, dann ist das doch prima...

    LG Andrea und Linda

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    1. Von diesem Standpunkt aus lebt es sich wirklich leichter. Danke für deine lieben Worte, Andrea.

      Liebe Grüße
      Sonja

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  6. Frau Zweibein hat zwei Hände - ich glaube die braucht sie nicht wirklich beide. Soll ich sie zum Training vorbeischicken?
    Ihr zwei habt so viel gemeinsam erreicht, dass ihr auch das noch zusammen schaffen werdet, da bin ich mir ganz sicher. Lasst euch Zeit.
    Liebe Grüße
    Lotta

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  7. Liebe Sonja,
    wenn man den kleinen so sieht, kann man sich das echt schwer vorstellen. Dein Problem lässt sich nicht schön reden finde ich, denn es ist eins. Aber wenn man den ersten Teil des Briefes liest, scheinst du ja einen ganz tollen Hund zu haben. Ich habe anfangs gedacht du beschreibst eine Wunschvorstellung :-). Das du das geschafft hast, ist toll. Ausserdem gehst du ja sehr verantwortungsvoll mit dem Problem um. Das mach ja leider nicht jeder. Ich glaube, dass Charly bei dir genau in den richtigen Händen gelandet ist. Manch einer hätte ihn wahrscheinlich schon weg gegeben, du beschäftigst dich mit dem Problem. Ihr scheint ein echtes Dreamteam zu sein. Ich wünsche euch beiden weiterhin viel Erfolg

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  8. Liebe Sonja, liebes Bengelchen!
    Das mit dem Maulkorb ist vielleicht gar nicht mal so schlecht. In der heutigen Zeit - wo viele böse Menschen Giftköder hinterlassen - kann so ein Maulkorb eine große Sicherheit bieten. Sieh es mal von dieser Seite!
    Unser Camino frist ja alles was er findet und tatsächlich hat mein Frauchen schon mal darüber nachgedacht ob sie Camino nicht zu seiner Sicherheit einen Maulkorb verpasst!
    Liebe Grüße
    Merlin

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  9. https://www.facebook.com/gabriele.gottwald.7

    Lieber Charly,
    mir geht es ganz genau, wie Dir. Als ich klein war, konnte ich nicht genung bekommen vom Kraulen und Streicheln, jetzt sind mir Fremde nicht geheuer und ich gehe lieber nach vorne, bevor sie mir was tun. Irgendwie hat uns wohl unsere Mutter so erzogen, denn meine Geschwister sind genauso und meine Mutter natürlich auch.

    Unsere menschliche Ziehmutter hat uns schon früh zu einer Welpenschulung mitgenommen. Dort haben wir auch gelernt, dass es gut ist, nach vorne zu gehen und zu knurren, zu bellen und zu schnappen, egal, wieviel Angst man hat. Die haben uns das so beigebracht: erst kamen fremde Welpen, die viel größer waren als wir, obwohl sie genauso alt waren, dann haben wir geknurrt und gebellt und geschnappt. Dann kamen Hundetrainerinnen mit Wasserpistolen und haben uns noch mehr angestachelt. Irgendwann gingen dann die Welpen weg und auch die Hundetrainerinnen. So haben wir super gelernt, wie wir uns verteidigen können.

    Mir hat das mal sehr geholfen, als ich von einer Dobermannhündin attakiert wurde. Ihr Frauchen rief noch zu meinem Frauchen: "Sie hält ihn für einen Hasen!" Der habe ich aber gezeigt, dass ich kein Hase bin, da ist sie dann wieder abgezogen.

    Einen Maulkorb muss ich nur beim Tierarzt tragen, Menschen lasse ich in Ruhe, solange sie mich nicht anfassen wollen. Natürlich finde ich es nicht toll, wenn meine Menschen Fremde in die Wohnung lassen, das tue ich dann auch lautstark kund. Bisher ist es aber immer gut gegangen und die Fremden waren tatsächlich freundlich, aber man kann ja nie wissen.

    Schöne Grüße und halt die Ohren steif
    Dein Felix


    Anmerkung von Frauchen: in der Welpenschule sollten sie eigentlich für ihr Verhalten bestraft werden und es sollte ihnen so abtrainiert werden. Ich habe mal nachgefragt, ob es eine gute Idee sei, die Welpen mit Wasserpistolen zu traktieren, wo sie doch die Schwänze eingeklemmt hatten und daher aus Angst so reagiert haben. Als Antwort erhielt ich, dass sie ja ruhig Angst haben könnten, aber sie müssten lernen, dass sie sich nicht so verhalten dürften. Das ist wohl nach hinten losgegangen, schließlich hat man ihnen ja auch kein alternatives Verhalten beigebracht.

    Schöne Grüße und alles Gute für Euch
    Gabriele

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  10. Ich finde, dass Ihr wirklich ein tolles Team seid und viel geschafft habt. Das Gute und Positive sollte immer im Fokus stehen. Sei stolz darauf. Ich bewundere, dass Charly sich so gut mit den Pferden versteht. Dies würde mit Socke nie funktionieren. Und auch bei Kindern und Fremden, die in Sockes Nähe kommen, ist hier Vorsicht geboten. Socke ist durchaus nicht immer berechenbar. Ich kann dies gut akzeptieren, arrangiere mich mit diesen Dingen, denn wir wissen es und haben unseren Weg gefunden, wie wir damit umgehen. Vielleicht hat es etwas mit Sockes Hütetrieb zu tun, der sich ja auch erst im Alter ausprägt. Es sind ja oft die kleinen Dinge, die unsere Hunde prägen, daher ist es sicher nicht zu erklären.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

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  11. Ihr habt schon sooooo viel geschafft. Darauf könnt ihr stolz sein.
    Emma lässt sich nicht von fremden Leuten streicheln. Außer glücklicherweise von der Tierärztin. Vor anderen Leuten legt sie den Rückwärtsgang ein. Es muss auch nicht jedes Kind meinen Hund streicheln. Ich betatsche ja auch nicht jedes Kind. Besucher werden akzeptiert ... wenn sie Emma nicht streicheln.
    Ich drücke euch die Daumen das ihr dieses Problem in den Griff bekommt und bin mir ganz sicher das ihr auch das schafft.
    Liebe Grüße vom Emma und Lotte Frauchen

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  12. Liebe Sonja, dein Blogposting hat mich sehr berührt und auch die letzten beiden Tage sehr beschäftigt. Man liest in jedem Wort wie sehr du Charly liebst, aber auch dassr dich die Situation mit dem fehlenden Vertrauen stark belastet.
    Wichtig finde ich - wie viele auch schon in ihren Kommentaren geschrieben haben, dass du dir auf jeden Fall das postivie vor Augen halten musst. Charly hat viele tollen Eigenschaften und ihr seid ein tolles Team. Umso mehr du dich auf das Thema "Aggression gegenüber Kindern" konzentrierst umso größererscheint es dir.

    Falls du an dem Problem arbeiten möchtest würde ich das in ganz vielen kleinen Schritten machen. Konfrontiere Charly nicht sofort mit einem mutigen Testkandidat (ich weiß, dass war von dir scherzhaft gemeint), sondern baue das Training ganz klein auf. Besuche mit Charly belebte Plätze und mache dort etwas positives mit ihm. Verringere Distanzen zu fremden Menschen in ganz kleinen Schritten, bis sie dicht an ihm vorbeigehen, ihn aber nicht berrühren. Sollte das funktionieren lass jemanden Fremdes oder ein Kind einfach eine "Leckerliestraße" für ihn bauen - daher die Hilfsperson wirft Leckerchen die Charly besonders mag neben sich und er muss es sich dort holen. Schaffe positive Erlebnisse für ihn die er mit fremden Menschen/Kindern verknüpfen kann.

    Wichtig ist außerdem, dass du immer daran denkst - nicht jeder Hund mag sich anfassen lassen - Chiru auch nicht! Ich beantworte die Frage von Kindern und Fremden grundsätzlich mit "nein", wenn ich gefragt werde, ob er gestreichelt werden darf. Er hat zwar noch nie geschnappt - aber ich weiß er mag es nicht und das ist ok. Wenn er agieren möchte - gerne, vom Mensch aus "nein".

    Liebe Grüße
    Sali

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    1. Danke für deine lieben Worte. Ich werde deine Tipps in den nächsten Wochen ausprobieren. Bin gespannt, wie Charly auf die Leckerlistraße reagiert.

      Liebe Grüße
      Sonja

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  13. Ein Maulkorb ist per se nicht negativ. Maulkorb gibt Sicherheit. Auch hier ist ein "in-manchen-Situationen-Maulkorbträger". Nämlich, wenn es um Kinder geht. Kinder sind komische kleine Wesen, sie bewegen sich komisch, sprechen komisch. Manche sind unberechenbare Ins-Fell-und-in-die-Augen-Greifer. GsD gibt es auch die, die fragen ob sie Hund anfassen dürfen. Bei uns gibt es dann ein klares NEIN. Das verstehen dann besonders die Mütter nicht, die im Hund dann ein fleischfressendes Monster sehen. Alles was Sali zum "Testprogramm" geschrieben hat, würde ich auch genau so machen. Ich drücke auf jeden Fall die Daumen.

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  14. Ich möchte allen meinen Lesern für die lieben Kommentare danken. Es hat mir sehr geholfen, zu lesen, dass sich viele Fellnasen von Fremden nicht anfassen lassen. Und bei vielen der Maulkorb zum Einsatz kommt. Ich hoffe, dass Charly und ich einen Weg finden, wieder mehr Vetrauen aufzubauen.

    Liebe Grüße
    Sonja und Charly

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