Aggressive Hunde weisen oft auf ein Problem hin!


 




Bald jährt sich Charlys Geburtstag zum 4. Mal. Was liegt da näher, als noch einmal zurückzublicken. Auch wenn ich das mit einem mulmigen Gefühl mache. Nein, nicht wegen meiner Fellnase, sondern wegen einem Ereignis vor Charlys Einzug. Ich arbeitete seit einigen Jahren im Pflegebereich und liebte meinen Beruf sehr. Tja, bis meine Arbeitskollegen anfingen mich zu mobben. Es verging kein Tag mehr, an dem ich nicht Angst hatte, das Gebäude zu betreten. Es wurde von Tag zu Tag schlimmer. Gerade jetzt, wo ich meine Erlebnisse noch einmal Revue passieren lasse, erwischt mich der Schmerz mit aller Wucht. Und die Ohnmacht und die Wut.

 

Bald gesellten sich zur Angst körperliche Symptome.

Ich konnte nicht mehr schlafen und zuckte bei jedem lauten Wort zusammen. Es fiel mir unendlich schwer, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren. Immer saß mir die Angst vor einer nächsten Mobbingattacke im Nacken. Zusätzlich stellte sich das Gefühl ein, alle Welt hätte sich gegen mich verschworen. Jetzt im Nachhinein sind diese Ängste schwer zu beschreiben. Wenn man es nicht selbst erlebt hat, kommt es einem so unwirklich vor. Ich doch nicht. Ich kann mich doch wehren. Nein, konnte ich nicht. Es war einfach zu viel. Ich klappte völlig zusammen und musste meine Arbeit aufgeben.

Meine Welt stürzte ein

Lange Zeit igelte ich mich Zuhause ein und wollte mit niemanden über meine Erlebnisse reden. Ich schämte mich zu sehr. Dabei war ich das Opfer! Leider sehen das nicht alle so. Da hieß es schnell einmal, ich sollte mich nicht so anstellen. Eine kleine Auszeit und dann geht es wieder. Dem war aber nicht sol Beim Tippen dieser Zeilen muss ich immer wieder eine Pause einlegen. Der Schmerz ist einfach zu viel. Das Gefühl des Versagens liegt mir schwer auf dem Herzen. Dabei war ich doch das Opfer!

Und dann trat Charly in mein Leben

Und das veränderte mein Leben vollkommen. Diese flauschige Fellkugel nahm mich von Anfang an so, wie ich bin. In seiner Nähe konnte ich entspannen und langsam kehrte die Lebensfreude wieder zurück. Wenn er an meiner Seite war fühlte ich mich sicher und geborgen. Verrückt nicht? Am Anfang war er gerade einmal 20 cm lang und wog 2 kg. Aber er hielt mich von früh bis spät  auf Trab. Kaum zu glauben, wie obt Hunde oft pinkeln müssen. Aber genau das rettete mich. Ich hatte keine Zeit mehr zum Grübeln und der Vergangenheit nachzuhängen. Ich wurde gebraucht. Punkt.

Nach einiger Zeit traten Probleme mit Charly auf

Jeden Tag genoss ich mit Charly und wir erkundeten auf unseren gemeinsamen Spaziergängen die Gegend. Tja, bis sich Charly auf einmal veränderte. Er wurde zunehmend anderen Hunden gegenüber aggressiv und gebärdete sich wie ein Verrückter. Und ich bekam Angst. So richtig Angst. Das steigerte sich immer mehr, bis zu dem Punkt, an dem er mir zähnefletschend gegenüber stand. Mein eigener Hund hatte sich gegen mich gewendet. Das tat weh!  Ich verstand die Welt nicht mehr. Nach einigen Zögern kontaktierte ich eine Hundetrainerin. Davon habe ich euch in einem Artikel ausführlich berichtet. 




 

Was ist damals passiert?

Charly reagierte auf meine Unsicherheit und Angst. Ganz einfach. Ich musste lernen, mich endlich zu wehren. Stopp zu sagen. Bis hierher und nicht weiter. Es war ein langer Weg mit vielen Tränen und Zweifeln. Und stundenlangen Telefonaten mit meiner lieben Hundetrainerin. Danke noch mal an dieser Stelle. Was hatte das alles mit meiner Arbeitsstelle zu tun? Und dem Mobbing? Ich war leider  das geborene Opfer, das alles mit sich machen ließ. Wenn mich einer schief anguckte zitterte ich wie Espenlaub. Wenn mich heute einer schief anguckt, denke ich, och der Arme, ist ihm seine Kontaktlinse verrutscht. Seht ihr den Unterschied?!

Ich musste nur meinen Blickwinkel ändern.

Meine Fellnase wiegt heute 7 kg und ist 33 cm lang. In meinem Kopf wog er damals 50 kg und war doppelt so groß. Vor so einem Hund hatte ich Angst. Vor meinem Minihund nicht. Von nun an musste ich lernen, wenn Charly Randale machte, ihn mit einem lauten Stopp zu bremsen. Und ihm dies auch mit meiner Körpersprache zeigen. Und langsam dämmerte mir, dass ich dieses Prinzip auch bei meinen Mitmenschen anwenden musste. Hätte ich das doch schon viel früher gewusst. Dann wäre mir viel Kummer erspart geblieben.





Charly hat mir mit seiner aggressiven Art die Augen geöffnet. Ich war das Opfer, weil ich es geschehen ließ. 

Dafür werde ich ihm auf ewig dankbar sein. Ich hoffe, wir verbringen noch viele schöne Jahre zusammen, kleiner Seelenhund. 


Liebe Grüße
Sonja & Charly

Kommentare:

  1. Liebe Sonja,

    deine Zeilen haben mich sehr berührt. Ich werde immer wütend, wenn ich lese, wie Menschen mit anderen umgehen und finde es schlimm, was dir passiert ist. Aber ich finde es auch spannend, wie Charly sich verhalten hat und das er deine Unsicherheit so gespiegelt hat! Gut, dass ihr euren Weg gefunden habt und ich hoffe, dass es mit deinen Kollegen ähnlich ist?!

    Ganz liebe Grüße
    Nicole

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    1. Leider sind manche Menschen unverbesserlich. Meine Kollegen haben sich einfach das nächste Opfer gesucht ...

      Nie im Leben wäre ich alleine auf die Idee gekommen, dass ich für Charly Verhalten verantwortlich bin. Deswegen war mir der heutige Artikel so wichtig. Einfach mal den Blickwinkel verändern!

      Liebe Grüße
      Sonja und Charly

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  2. Wow, toller Artikel, der geht unter die Haut. Ich kann zu 100 % nach empfinden wie es dir ging... toll das du es geschafft hast dich aufzurappeln und an dir zu arbeiten. Ich glaube das ist ein unendlich schwieriger Weg... Hut ab. Ja tatsächlich die Kleinen spiegeln uns und unser Verhalten ganz gut wieder... Fühlt euch beide gedrückt.
    Ganz liebe Grüße und weiter so!!!

    Alex & Micky

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    1. Danke für die lieben Worte! Ja, es war ein langer und steiniger Weg und wir sind noch längst nicht am Ziel. Aber ich gebe nicht auf ...

      Liebe Grüße
      Sonja und Charly

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  3. Liebe Sonja,

    was für ein offener und mutiger Beitrag. Ich bewundere Dich und freue mich, dass Charly Deine persönliche Rettung war.

    Ich werde niemals öffentlich darüber nicht schreiben, aber auch hier hat Socke große Hilfe geleistet.... Sie zeigte mir u.a, dass Arbeit nicht alles ist. Ich verstehe Deine Gefühle gut und weiß auch, dass es eigentlich nie wieder ganz gut wird.... Zum Glück haben wir unsere Familien und unsere Fellnasen.

    Viele aufmunternde und liebe Grüße
    Sabine mit Socke






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    1. Danke für deine lieben Worte, Sabine. Socke ist eine ganz besondere Hündin. Ich mag ihre Ruhe und Gemütlichkeit. Und sie hat vollkommen recht, Arbeit ist nicht alles ...

      Liebe Grüße
      Sonja und Charly

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  4. Ach Sonja,
    auch wenn du damals nicht so schöne Erfahrungen mit Menschen gemacht hast, ich freue mich sehr für dich, dass Charly dir da raus geholfen hat! ☺
    Unsere Tiere können uns oft viel besser helfen, als mancher Therapeut.
    Mir ging es ähnlich. Denn als ich arbeitslos wurde zog Jack bei uns ein und gab mir eine Aufgabe und Zuversicht, dass ich auch alles andere wieder schaffen konnte. ��

    Wir grüßen ganz lieb,
    Claudi und Jack
    www.vollverjackt.com

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    1. Danke für deine offenen Worte. Arbeitslos zu werden ist keine schöne Erfahrung, aber wie schon Sabine schreibt, Arbeit ist nicht alles ...
      Für diese Erkenntnis brauchte ich sehr lange.

      Schön, dass dein kleiner Jack dich bei dieser schweren Zeit begleitet hat.

      Liebe Grüße
      Sonja und Charly

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  5. Das klingt ja wirklich sehr interessant, wie ein Hund dein Leben noch auf ganz andere Art und Weise verändert hat, als man es sonst kennt. Ich hoffe, es geht jetzt noch viele Jahre gut für dich weiter und du kannst auch wieder positive Erfahrungen mit Menschen machen. Ansonsten bleib einfach uns Vierbeinern treu, wir enttäuschen dich bestimmt nicht :-)

    Wuff-Wuff dein Chris

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    1. Da hast du vollkommen Recht, lieber Chris. Die Vierbeiner bleiben einem immer treu. Auch wenn ich eine Weile brauchte, um mein Problem zu erkennen. Charly spiegelte meine Ängste wunderbar. Wenn mir jetzt einer blöd kommt, stelle ich mir immer einen zähneflätschenden Hund vor. Entweder er oder ich ... . In so einer Situation muss ich handeln.

      Liebe Grüße
      Sonja und Charly

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  6. I wish I spoke better German! The translator never comes out quite right, but I get the idea of what you're saying. Anyway, I know what it is like to be bullied and feel you're not good enough. It is very easy to say that you are going to change, but it is a very hard thing to do. I'm so glad you have little Charlie to help you! We love reading your posts.

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  7. Liebe Sonja,
    ich kann sehr gut nachvollziehen was du als Mobbingopfer erlebt hast und finde es total beeindruckend das Charly deine Unsicherheit so gnadenlos ausgenutzt hat. Es ist erstaunlich was Hunde alles spüren. Ich hoffe das du mit Charlys Hilfe alle schlimmen Erlebnisse verarbeiten kannst und ihr noch eine lange schöne gemeinsame Zeit habt.
    Liebe Grüße vom Emma und Lotte Frauchen

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    1. Ich konnte es am Anfang auch nicht glauben. Ich sollte an seiner Aggression schuld sein? Nachdem ich aber die Zusammenhänge begriff und an meiner Körperhaltung und Tonart arbeitete, war Charly bald wie ausgewechselt. Er wollte nur jemand an seiner Seite haben, der ihm Grenzen aufzeigte. Bis hierher und nicht weiter ...

      Liebe Grüße
      Sonja und Charly

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  8. Bin beeindruckt wie und was du geschrieben hast.
    Dir und Charly weitere gemeisame Erfolgserlebnisse
    Einen besonders herzlichen Nasenstups von Ayka

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    1. Danke!!! Wir sind auf einem sehr guten Weg ...

      Liebe Grüße
      Sonja und Charly

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  9. Puh, was für eine Geschichte, Sonja! Ich finde es sehr mutig von dir, dass du sie mit uns teilst. Ich hatte Gänsehaut beim Lesen. Unsere Hunde sind wahre Seelenheiler. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg auf deinem Weg. Mit Charly an deiner Seite wird es bestimmt noch eine sehr schöne Reise!

    Viele Grüße
    Silvana mit Cabo

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    1. Danke für die lieben Worte, Silvana. Ich habe lange überlegt, ob ich unsere Geschichte erzählen soll. Ich finde es aber so wichtig, aufzuzeigen, dass unsere Hund unsere Gefühle und Ängste spiegeln. Wer weiß, wenn ich damals nicht rechtzeitig aufgewacht wäre, was dann passiert wäre. Ob Charly gebissen hätte?

      Liebe Grüße
      Sonja und Charly

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  10. Danke für dieses schönen und ehrlichen Beitrag.
    Und auch ich bin der Meinung, das unsere Seelenhunde ware Wunder sind und sie uns doch alle auf die eine oder andere Art retten.
    Liebe Grüße
    Jasmin mit Nora, Rico und Sam

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    1. Danke, es ist mir auch nicht leicht gefallen, unsere Geschichte so offen zu erzählen. Aber vielleicht hilft es jemanden, der gerade in einer schwierigen Situation ist.

      Liebe Grüße
      Sonja und Charly

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  11. Ich leite u.a. Zertifizierungskurse in Englisch für Jugendliche und da muss man schon klare Ansagen machen, wenn man einem Haufen gelangweilter 14 bis 18jähriger am Nachmittag englische Konversation und Textinterpretation abringen will ;) Ich war erstaunt und erfreut, als ich gemerkt habe, wie sehr mir der Besuch der Hundeschule (!) dabei geholfen hat. Klare Körpersprache, bestimmter, aber liebevoller Tonfall, Blickkontakte, es gibt so viele Dinge, die ich jetzt viel gezielter einsetze - und es wirkt auch bei Menschen! Insofern kann ich deine Erfahrungen sehr gut nachvollziehen.
    Aber Mobbing ist eine schreckliche Sache, niemand sollte dem ausgesetzt sein. Oder sich gar als Opfer schuldig fühlen. Danke für diesen ehrlichen und aufschulussreichen Bericht!
    Liebe Grüße aus Terrierhausen

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    1. Wow, meinen Respekt hast du! So viele Jugendliche auf einen Haufen, das ist wirklich eine Herausforderung. Und ich musste schmunzeln, dass dir der Besuch der Hundeschule im Umang mit ihnen hilft. *lach*

      Ich habe selber erfahren, was eine gezielte Körpersprache und eine feste Stimme alles bewirken kann. Ich kann das jeden nur empfehlen. Gerade auch unsicheren Kindern. Die werden oft in der Schule gemobbt.

      Liebe Grüße
      Sonja und Charly

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  12. Ich habe Deinen Blog ja gerade erst entdeckt, aber es macht mir Spaß zu lesen, was Du über Deinen kleinen Helden schreibst :)
    Darum habe ich Dich für den "Liebster Award" nominiert und hoffe, Du magst mitmachen! Du findest die Nominierung in meinem Artikel unter diesem Link:

    http://www.travelelk.de/liebster-award/

    Es würde mich freuen, wenn Du mitmachst!
    Liebe Grüße
    Elke

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  13. was für ein mutiger und beeindruckender Artikel! ich wünsche dir und Charly das allerallerbeste für euren weiteren gemeinsamen Weg!

    Alles Liebe
    nima

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  14. Ich habe Hochachtung vor diesem Bericht. So unfassbar ehrlich. Und mutig. Und wunderbar, weil es ein Happy End gibt!!!

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  15. Ein wunderbarer Artikel ! Was du in deinem Job erfahren musstest wünscht man keinem, aber ich freu mich das Charly dir rausgeholfen ha. Und wie viel lernt man doch durch die Hunde und arbeitet an sich selbst :)

    Liebe Grüße Lily

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